Endgame - Teil 1

Welche Karten kaufst du zuerst - wie sieht dein optimales Deck aus?
Mr Anderson
königlicher Schmied
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Endgame - Teil 1

Beitragvon Mr Anderson » Do 22. Sep 2016, 13:10

Endgame

Das Deck läuft, und ob man es möchte oder nicht, das Spiel ist so schnell wie möglich – vorzugsweise siegreich – zu beenden.
Wichtig ist zunächst zu erkennen, wann man in das Endgame einsteigen kann, wann man also beginnen sollte, Punktekarten zu kaufen (I.) Im Verlauf des Endgames beim Kauf von Punktekarten von überragender Bedeutung sind die einzelnen Kaufentscheidungen für Punktekarten, hervorzuheben ist hier die Penultimate Province Rule und ihre Anpassungen an das einzelne Spiel (II.) In jedem Spiel ist zu beachten, dass es auch durch 3 leere Stapel und nicht nur durch leere Provinzen oder Kolonien beendet werden kann, an dieser Stelle soll diskutiert werden, wie man diese Möglichkeit erkennt und die Kontrolle über die Stapel erhalten oder übernehmen kann (III.) Zuletzt sollen noch einmal einzelne Gruppen von Karten zusammengefasst werden, die einen besonderen Einfluss auf das Ende des Spiels haben können, da sie Kontrolle über die Stapel bieten (IV).
Dieser Artikel hat trotz einiger konkreter Beispiele nur den Anspruch, abstrakte, allgemeingültige Aussagen ausschließlich für das Spiel mit zwei Spielern zu treffen. Für genauere Erläuterungen zum Spiel mit den genannten Karten ist auf deren Strategieartikel, momentan insbesondere im englischsprachigen Forum und Wiki zu verweisen. Der Einfluss der Erweiterung Empires muss unberücksichtigt bleiben.

I. Beginn des Kaufs von Punktekarten
Wann man beginnen sollte, die großen Punktekarten (Provinz oder Kolonie) zu kaufen, ist von mehreren Faktoren abhängig, die gleichwertig Berücksichtigung finden müssen.

1. Grundsätzliche Art des Decks
Es gibt grundsätzlich 5 unterschiedliche Arten von Decks: Big Money, Engine, Rush, Slog und Combo. Hier zunächst Hinweise für den Kauf von Punktekarten ausschließlich in Hinblick auf das eigene Deck.

a. Big Money
Ein Big Money Deck kauft grundsätzlich so früh wie möglich teure Punktekarten, bei Bedarf kann das Deck gut mit weiterem Gold wieder aufgefrischt und so am laufen gehalten werden. Simulationen zufolge verliert ein Big Money Deck beim abwechselnden Kauf von Gold und Provinz nie seine Kaufkraft. Ausnahme von dieser Regel: sehr frühe Züge mit 8 GE, kein Gold und kaum Silber.

b. Engine
Anders als Big Money beginnt eine Engine auseinanderzufallen, wenn zu früh Punktekarten gekauft werden. Hier sollten im Grundsatz erst dann Punktekarten gekauft werden, wenn man zuverlässig sein Deck ziehen kann, häufig werden Züge angestrebt, in denen man 2-3 Provinzen oder Kolonien kaufen kann. Faustregel: Wenn die Engine mehr Karten ziehen könnte, als tatsächlich im Deck sind, ist es höchste Zeit für den Kauf von Provinzen. Verfolgt die Engine das Ziel eines Megaturns, so ist mehr die Frage, ob sich die Engine in dem großen Zug mehr als die Hälfte aller verfügbaren Punkte sichern kann.

c. Rush
Beim Rush dient der Kauf von großen Punktekarten eher dazu, eine komfortablere Führung zu übernehmen. Die Frage ist hier also eher, ob die Provinz nötig ist (was jedoch im Regelfall zu bejahen ist, die 6 Punkte sind hier bedeutsam) oder der Kauf eher dazu genutzt werden sollte, Stapel zu leeren.

d. Slog
In einem Slog sind die teuren Punktekarten ebenfalls regelmäßig von großer Bedeutung, um sich die Führung zu sichern, die Vorteile der vielen Punkte überwiegen die Nachteile der toten Karte fast immer, welche in einem guten Slog ohne große Probleme kompensiert werden können.

e. Combo
Eine Combo stellt eine Strategie mit eigenem Ziel dar, allgemeine Aussagen können hierzu nicht getroffen werden.

2. Eigene Strategie
Gleichfalls bedeutsam ist, ob und welcher Anteil der eigenen Punkte von den Basis-Punktekarten kommt oder ob eine Strategie mit einer alternativen Quelle für Punkte verfolgt wird. Essentiell ist es für ein erfolgreiches Spiel, beim ursprünglich verfolgten Plan zu bleiben, sobald man sein Deck unumkehrbar in diese Richtung gelenkt hat. Ist der Kauf großer Punktekarten in diesem Plan enthalten oder nicht? Schadet der Kauf der großen Punktekarte Gesamtplan mehr, als sie nutzt?

3. Strategie des Gegners
Nicht außer Betracht bleiben darf die Strategie des Gegners. Verfolgt man selbst eine langsamere Strategie als der Gegner mit alternativen Punktequellen und versucht der Gegner allein, die Provinzen zu leeren, kann es nahezu selbstzerstörerisch sein, diesem beim Leeren der Provinzen zu helfen. Verfolgt der Gegner etwa anders als man selbst einen Rush, kann es erforderlich werden, früher als von Beginn an geplant Provinzen zu kaufen. In solchen Fällen gilt es, die eigene Strategie alsbald an die des Gegners anzupassen.

4. Momentaner Zustand des Decks
Auch ist der Zustand des eigenen Decks im Vergleich zu dem des Gegners maßgeblich. Enthält das eigene Deck deutlich bessere Karten als das des Gegners, kann dies Indiz dafür sein, dass man mit dem Kauf großer Punktekarten beginnen kann, da das eigene Deck im längeren Spiel die Punktekarten deutlich besser verkraften kann als das des Gegners. Andererseits kann dies aber auch bedeuten, dass man den eigenen Vorsprung auch dafür verwenden kann, das eigene Deck resistenter gegen die Punktekarten werden zu lassen. Dies ist letztlich vom Einzelfall abhängig, sicherer sollte es jedoch grundsätzlich sein, erst einmal Provinzen zu kaufen und eventuelle schwächere Züge für die Restauration des eigenen Decks etwa durch Filterkarten zu nutzen. Ist das eigene Deck schlechter, so ist es ebenfalls einzelfallabhängig, ob man sich dennoch bereits an den Kauf von Punktekarten wagen und auf sein Glück hoffen oder versuchen sollte, durch weiteren Deckbau noch aufschließen zu können. Spielerfahrung ist für die treffende Beurteilung dieser Situationen im Einzelfall konstituierend. Aber auch die Frage, wann das Deck wieder gemischt wird, ist zur Beantwortung dieser wie auch anderer Fragen von Relevanz. Ist man am Ende eines Deckdurchlaufs, ist es häufig besser, noch einmal das Deck aufzubauen, bevor mit dem Kauf von Punktekarten begonnen wird. Das Gold oder eine vergleichbare Karte wird wahrscheinlich mindestens noch einmal nützlich sein, eine große Punktekarte kaufen zu können, während im nächsten Shuffle auch eine tote Punktekarte weniger im Deck sein wird. Jedoch sind gegen die oben genannten Vorteile auch hier die möglichen Nachteile des späteren Kaufs der Punktekarte abzuwägen, hierbei sollte berücksichtigt werden, wie häufig das Deck noch gemischt werden wird, wie oft man also etwa das Gold noch ausspielen kann.

Zu den anderen Punkten aus der Einführung später mehr, ich würde den Artikel hier gesammelt einstellen, lasst mich aber wissen, ob ich die weiteren Punkte lieber in weiteren Threads zur Diskussion stellen sollte (übersichtlicher?), ich dachte aber, ich könnte euch den ersten Teil schon einmal zum lesen geben.
Ich bedanke mich für sämtliche Anmerkungen und Ergänzungen sowie weitere Diskussionen und versuche, diese mit in den Artikel einzubinden.
Zuletzt geändert von Mr Anderson am Do 22. Sep 2016, 16:19, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Endgame - Teil 1

Beitragvon GwinnR » Do 22. Sep 2016, 15:43

Sehr schön, kurz und prägnant die wichtigsten Faktoren erklärt.

Wichtig finde ich, ist noch die Frage, wo man gerade in seinem Deckdurchlauf ist (unter 4.). Wenn ich gerade gemischt habe, kann ich eher schon Punktekarten kaufen, weil ich sie deutlich später bzw. seltener wieder sehe. Wenn ich nach dem Zug erst mischen werde, kann es sinnvoll sein, sich noch eine starke Aktionskarten zu kaufen, um die noch gewinnbringend zu nutzen. Entscheidend ist hierbei dann natürlich, wie dick das Deck ist und wie oft voraussichtlich noch gemischt wird.

Ich würde alle Teile zusammen in diesem Thema einstellen. Sie gehören ja schon zusammen.
Nobody is perfect, but I'm only a nobody O.o

Meine Dominion-Videos: https://www.youtube.com/user/GwinnRDominion
Ich freue mich über jede Anmerkung und Diskussion :-)


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